Licht in der Lagune

Viele Zoos setzen seit Jahren verstärkt auf die Betonung der lokalen Besonderheiten. Man will kein Großwildgemischtwarenladen mehr sein, sondern eine Zucht- und Brutstätte mit einem individuellen Profil. Kein Wunder, dass sich gleich neben dem Affenhaus die Baustelle für die riesige Freilandlagune des Delfinariums befindet, die an die große Tradition mittelfränkischer Meereslebewesen anknüpfen soll. Schließlich waren weite Teile Bayerns im Jura, vor gerade mal 160 Millionen Jahren, ein tropischer Ozean. Einst zog hier der Ichthyosaurier majestätisch seine Bahn, in Zukunft sollen sich hier Große Tümmler tummeln.

Der Rest des Tiergartens wird bis zur geplanten Eröffnung im Juni 2011 aus Kostengründen systematisch gedownsized. Statt sperriger Nilpferde gibt es jetzt handliche Pfeilgiftfrösche in modischen Neonfarben zu sehen. Aus dem Elefantenhaus ist ein Dickhäuterhaus geworden, das nur noch Nashörner beherbergt, weil das Gebäude nicht der EU-Richtlinie für artgerechte Elefantenhaltung entspricht. Sage noch einer, die EU wäre überflüssig. Wer seinen Kindern zu Weihnachten einen der kleinen possierlichen Dickhäuter geschenkt hat, findet hier wichtige Pflichtlektüre, die die Beratung im Fachgeschäft dennoch auf keinen Fall ersetzen kann.

Schritt für Schritt werden alle Ressourcen in die Lagune investiert, damit der Tiergarten Nürnberg als erste Adresse für Wirbellose, Kerbtiere und Delfine mit einem klaren Profil im Konzert der Großen mitspielen kann. Nicht nur Böhmen, auch Franken liegt am Meer. Zwar ist die Lagune, die etwa dreimal so groß ist wie das Kolosseum in Rom, drei bis sechs Monate im Jahr für Delfine unbewohnbar, aber der Hauptsponsor Käptn Iglo feilt wahrscheinlich bereits an einer Marketingstrategie, bei der erfrorene Meeressäuger zwischen Eisschollen Hunger auf Fischstäbchen machen.

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