Am Weltstar vorbei

„Ich frage ganz offen: Was hat man von einem Autogramm?“ Agnes runzelt die Stirn. „Autogrammkarten liegen zu Hause herum und vergilben. Digitale Fotos sind meistens schlecht belichtet, und die Leute glauben einem gar nicht, dass der auf dem Bild ein Promi sein soll. Aber dieser eine Moment, in dem alles möglich gewesen wäre – Herr Rubinowitz, Pamela und ich. Der bleibt mir für den Rest meines Lebens. Ein Leben, in dem alles hätte passieren können.“

Die beiden Groupies der Entsagung, wie sie sich nennen, haben strenge Regeln aufgestellt. Sie können niemand verpassen, der gar nicht da oder tot ist. Heath Ledger oder Woody Allen, der bisher nicht in Berlin war.

„Wir können auch nicht drei Stunden nach einer Premiere hin. Wir müssen da sein, wenn der Star da ist. Aber der Star darf nicht dort sein, wo wir sind.“ Agnes drückt ihre Zigarette aus. „Auf der Berlinale jetzt war Diane Kruger unser absolutes Highlight. Wir sind nämlich mit dem Taxi weggefahren, mit dem sie gekommen ist. Alles war noch da. Ihr Parfüm, das Lächeln auf dem Gesicht des Taxifahrers, der Kaugummi, den sie an die Armlehne geklebt hat.“ – „Nur sie nicht. Diane Kruger war nicht da!“, ruft Pamela, und ihre Wangen leuchten. „Am Roten Teppich verschwand sie gerade in der Tür, die Schleppe ihres Kleides war noch zu sehen. Wir auf dem Absatz kehrt gemacht, mehr brauchen wir nicht sehen und ab zum Taxistand. Dann im Taxi, das war richtig groß.“

Manchmal gibt es auch Abende, die völlig danebengehen. Vor drei Wochen gingen die beiden zur Vorpremiere des Films „Dame, König, As, Spion“. „Und plötzlich …“, Agnes schluckt, „ … stand dieser Cumberbatch vor uns. Benedict Cumberbatch. Und zack, hat er einen Schnellhefter von mir signiert. Einfach so. Geradezu aufgelauert hat er uns.“

„Und dann hat er uns eingeladen. Eingeladen! Können Sie sich das vorstellen?“ Rasend schnell rührt Pamela den Kaffee um. „Der musste nach der Vorstellung gleich wieder zurück nach London und hat gesagt, er nimmt uns im Privatjet mit. Und wir können zusammen essen und am nächsten Tag mit ihm aufs Set gehen. Was sollen wir denn bitteschön in London?“

Dieser Beitrag wurde unter Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permanentlink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.